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4 April 2018

Eine lange Wanderung von Caneo di Punta Sdobba bis Grado

4 April 2018
Alice Sannia

Eine lange Wanderung von Caneo di Punta Sdobba bis Grado

Die Erzählung dieses mit den Leuten des Premio Mattador verbrachten Sonntags mutet vielleicht ein wenig seltsam an. Beinahe zwanzig Kilometer zu Fuß von Caneo bis Grado bei gnadenloser Bora, die uns keine Minute verließ, und der Melancholie des Meeres im Winter. Es ist Ende März und man hat Lust auf Frühling, das erste Mal in kurzen Ärmeln mit sonnengeröteten Wangen, aber es hat den Anschein, als ob sich Veranstalter und Teilnehmer an der gewonnenen Wanderung auch heute mit dem Winter schlagen müssen, der kein Ende nehmen will und der sie alle vier Tage von Triest bis Aquileia begleitete (das Projekt ist „Visioni in Movimento“, Filmemachen beim Gehen). Ich schließe mich der dritten Etappe auf einem Abschnitt des Radweges FVG-2 von Caneo bis Grado an. Der Tag beginnt mit einem Besuch im Naturreservat Foce dell'Isonzo – Isola della Cona, ein Eden, in dem Camargue-Pferde frei leben und eine unglaubliche Anzahl an Stand- und Zugvögel Birdwatchern ein wahres Paradies bieten. Eine schüchterne Sonne begleitet uns bei dieser kurzen Runde und lässt uns auf einen möglichen Fehler bei der Wettervorhersage hoffen. Dem ist aber nicht so, Mütze, Handschuhe, Rucksack und los geht’s! Wir fahren nun mit dem Auto bis Caneo zu einem kleinen Hotel auf Pfählen, das ich schon kennengelernt hatte, als ich im Sommer von Punta Sdobba (einem romantischen Dorf mit nicht einmal zwanzig Fischern) bis zur Sandbank vor der Isonzo-Mündung stehpaddelte. Von hier wandern wir in Richtung Grado. Wir treffen auf wenige andere Wanderer, aber unsere Gruppe ist eingespielt, wir kennen uns, wir erzählen über unser Leben und spüren dabei den Wind und die Mühe (beinahe) nicht. Auf halbem Weg machen wir im Naturreservat Valle Cavanata für eine kurze Mittagspause Halt und schon geht es wieder weiter. Einmal im Pinienhain von Grado, legen wir die Strecke, die uns noch von der Stadtmitte trennt, am Strand zurück, wo wir auf sehr mutige Kitesurfer treffen, die den Wind mit ihren Segeln zähmen.

Die Beine fangen an, nach etwas Rast zu bitten und bevor wir uns mit der Stadtverwaltung Grados treffen, die eigens zu unserer Begrüßung kommen wird, haben wir gerade noch Zeit, der Basilika Santa Eufemia einen schnellen Besuch abzustatten. Das Fresko des Christus in Mandorla, die sehr alten Bodenmosaiken, die Kanzel mit maurischer Kuppel, dieser Ort ist wunderschön und gibt bestens zu verstehen, warum Grado von einigen als „die Mutter Venedigs“ bezeichnet wird. Vor dem Abendessen haben wir noch das Glück, einen Bewohner Grados zu treffen, einen Schriftsteller und historisches Gedächtnis der Goldinsel, der uns mit seinen Erzählungen über die Fischer, Biagio Marin (den Dichter, der im örtlichen Dialekt schrieb), Feiern und Brauchtum des Orts fasziniert. Der Tag klingt mit einer Pizza und einem Bier in Gesellschaft aus, dann verabschieden wir uns glücklich und müde, in den Augen viele Bilder der Wanderung, die ein außerordentliches Naturreservat mit einem Städtchen von venezianischem Flair und antiken Ursprungs verband. Was für ein Wunder dieses Friaul Julisch Venetien!
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Alice Sannia

Sardische Wurzeln, friulanisches Herz. Ich lebe in Cordenons. Mein Herz schlägt für das Meer, Triest und den Tiramisù. Ich bin Fremdenführerin und beschäftige mich mit Marketing und Kommunikation. Koordinatorin der Jugendlichengruppe von Podenone des FAI – italienische Stiftung für Denkmalpflege und Naturschutz.

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